Drei Monate Brüssel: Die Referendarsstation bei Beiten Burkhardt

Von Katharina Meeser, erschienen im Messekatalog von Myjobfair.

 

Eigentlich hatte ich mich ja für den Berliner Standort interessiert, als ich mich auf dem Fakultätskarrieretag am Stand von Beiten Burkhardt bewarb. Da ich bis dahin alle meine Stationen in Frankfurt absolviert hatte, wollte ich in der Wahlstation einfach gerne nochmal etwas anderes sehen. Als sich dann kurzfristig die Chance ergab, nach Brüssel zu gehen, da der dortige Standort zufällig zum passenden Zeitraum noch jemanden suchte, zögerte ich nicht lange. Das Bewerbungsverfahren lief dann unkompliziert über das Recruitment-Management in Berlin ab und innerhalb einer Woche stand der Plan, drei Monate in Brüssel zu verbringen.

 

> Brüssel erscheint auf den ersten Blick als eher unspektakuläre Hauptstadt, hat diesen Ruf jedoch meiner Meinung nach völlig zu Unrecht.

 

Brüssel erscheint auf den ersten Blick als eher unspektakuläre Hauptstadt, hat diesen Ruf jedoch meiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Nicht nur durch die große Expat-Community gibt es immer etwas zu tun und zu erleben. Man kann auch abgesehen von Pommes und Waffeln sehr gut essen gehen und die Brüsseler sind nicht gerade feierfaul, es ist also immer irgendwo was los. Da Brüssel mit knapp über einer Million Einwohnern eine recht überschaubare Hauptstadt ist, sind alle Orte bequem zu erreichen. In der Innenstadt kann man sich ohnehin gut zu Fuß bewegen und auch in den äußeren Stadtbezirken ist kaum ein Ziel länger als eine halbstündige Tramfahrt entfernt. Brüssel ist zudem auch sehr gut nach außen vernetzt, sodass man am Wochenende (wo Zugtickets innerhalb Belgiens übrigens nur die Hälfte kosten) sehr gut den Rest des Landes, wie beispielsweise Brügge, Gent oder die Nordseeküste, erkunden kann, aber auch Paris, London oder Amsterdam liegen jeweils nur knapp zwei Stunden Zugfahrt (oder günstiger mit dem Fernbus) entfernt.

 

Die Lebenshaltungskosten liegen in Brüssel etwas höher als in Frankfurt. Für drei Monate ist das aber sicher machbar. Unverhältnismäßig teuer sind komischerweise Drogerieartikel. Zudem sollte man, wie bei jeder Auslandsstation, daran denken, dass man beim heimischen Bundesland Trennungsgeld beantragen und auch Fahrtkosten erstattet bekommen kann. Von der Kanzlei gab es vor Beginn der Station einen Leitfaden mit Infos und Kontakten für die Wohnungssuche. Aufgrund der vielen Praktikanten ist das Wohnungsangebot vielfältig. Sucht man etwas Preiswerteres, sollte man sich trotzdem frühzeitig kümmern.

 

Brüssel ist offiziell zweisprachig: Französisch und Flämisch. Wobei man weitaus mehr Französisch hört – das Verhältnis ist etwa 70/30 – und ohnehin auch ohne Probleme mit Englisch zurechtkommt. Schöner ist
es natürlich, immer die Landessprache zu sprechen. Eine kleine Auffrischung des Schulfranzösisch wäre wohl durchaus sinnvoll gewesen, zumal ein dreimonatiger Aufenthalt in Brüssel auch die hervorragende Möglichkeit bietet, dieses zu vertiefen.

 

Das Beiten-Büro liegt im 11. Stock eines Bürogebäudes am Ende der Avenue Louise im Stadtteil Ixelles. Von hier aus kann man vieles zu Fuß erreichen, aber auch Bus und Tram befinden sich unmittelbar vor der Tür. Zudem kann man im nahegelegenen Bois de la Cambre sehr gut nach der Arbeit laufen gehen, dort auf einer der Liegewiesen zu Mittag essen oder die Afterwork-Veranstaltungen besuchen.

 

Der erste Tag im Büro war anders als man es von einer Großkanzlei erwartet. Begrüßt wurde ich von der Office-Managerin sowie einer anderen Referendarin. Darauf folgte nicht die übliche Vorstellungsrunde durch das Haus – bei lediglich einem Stockwerk wohl auch nicht notwendig – sondern direkt der Jour Fixe. Hier werden wöchentlich die aktuellen Fälle und Termine besprochen. So haben alle einen Überblick darüber, was die anderen machen, man kann sich austauschen und „brainstormen“. Bei Neuankömmlingen beginnt dies erstmal mit deren Vorstellung. So lernt man sich kennen.

 

> Die Bürosprache ist Deutsch, die Fälle werden auf Deutsch, Englisch und Französisch bearbeitet. Französisch ist auch hier nicht unbedingt notwendig, jedoch sicherlich von Vorteil.

 

Es hat schon viele Vorteile an einem kleineren Standort einer großen Kanzlei zu arbeiten. Auf der einen Seite kommt man in den Genuss der Ressourcen und hat Kontakt mit den spannenden Mandaten einer Großkanzlei, auf der anderen Seite erlebt man die familiäre Atmosphäre einer kleinen Kanzlei. Insgesamt arbeiten lediglich sechs Personen dauerhaft im Brüsseler Büro, davon drei Anwälte. Hinzu kommen regelmäßig drei Referendare oder Praktikanten. Man kennt seine Kollegen. Mittags wird zusammen gekocht, abends oftmals zusammen etwas unternommen. Es gibt immer wieder Einladungen zu Vorträgen oder anderen interessanten Veranstaltungen, wie beispielsweise Sommerfeste der Landesvertretungen. Auch Sport, wie Laufen oder Basketball, wird regelmäßig zusammen gemacht. Für den 20-Kilometer-Lauf durch Brüssel sind sogar ehemalige Referendarskollegen für ein Wochenende zurückgekommen.

 

Die Kanzlei berät hier hauptsächlich im EU-Recht, insbesondere im Kartell- und Beihilfenrecht, aber auch deutsches Recht kommt durchaus zur Anwendung. Die Bürosprache ist Deutsch, die Fälle werden auf Deutsch, Englisch und Französisch bearbeitet. Französisch ist auch hier nicht unbedingt notwendig, jedoch sicherlich von Vorteil. Da ich, wie sicherlich viele andere, Europarecht in der Uni eher lückenhaft gelernt habe, gab es hier viel Neues zu entdecken. Wobei mir rückblickend wohl auch mein universitäres Wissen nicht unbedingt viel weitergeholfen hätte. In der Uni lernt man schließlich nicht, worauf es ankommt, wenn man die Kommission davon überzeugen möchte, bestimmte Antidumpingmaßnahmen nicht zu verlängern. Ansonsten erledigt man natürlich die üblichen Referendarstätigkeiten. Man recherchiert, fertigt Entwürfe und Mandantenschreiben und nimmt an Gesprächen teil. Ab und zu kann man auch mal zur Kommission fahren. Insgesamt wird man in einem kleinen Büro vielleicht etwas besser eingebunden.

 

Fazit:

 

Die Station in Brüssel kann ich rückblickend auf jeden Fall weiterempfehlen. Ich hatte eine tolle Zeit und auch generell ist die Wahlstation eine super Gelegenheit, ganz ohne den Druck des schriftlichen Examens nochmal eine andere Stadt (und auch ein anderes Rechtsgebiet) kennenzulernen.

 

Den vollständigen Beitrag von Katharina Meeser finden Sie hier.

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